„Eigentlich“ wollten sie heut auf der Bühne stehen, zur Weihnachtsshow. Dann hätten sie sich noch einmal vor 1.600 Zuschauern präsentiert, und das wäre der würdige Rahmen gewesen: Lena Bednarz, die Unterfrau unseres erfolgreichen Damenpaares, mehrfache Deutsche Meisterin und hervorragend platziert bei Europa- und Weltmeisterschaften, beendet ihre junge Karriere.

Wieder ein Abschied, nur diesmal mit dem Corona-Beigeschmack. In diesem verrückten Jahr haben es die Leistungssportler besonders schwer. Keine Wettkämpfe – und da kommt schon die große Frage auf: wofür schinde ich mich täglich. Die Weltmeisterschaft im Mai in der Schweiz war das große Ziel, das Damenpaar Lena Bednarz/ Selima Wardin in TOP-Form. Und dann kam das Aus. Nach einem internationalen Sommertrainingslager mit Leistungsträgern in der Schweiz und dem Vereinstrainingslager in Reichwalde, fielen weitere Wettkämpfe in Portugal, Georgien, Belgien, Polen und natürlich in Deutschland ins Wasser – natürlich Corona-bedingt. Mit den neuen, auf die Übung
abgestimmten Dresse, spektakulären Elementen und phantastischen Choreografien wäre es das Jahr für Lena und Selima geworden. Auch beim Neujahrsempfang des sächsischen Ministerpräsidenten war sie Teil des eigens gedrehten Films „Himmel über Sachsen“, eine Botschafterin unserer Stadt!

13 Jahre Sportakrobatik – das bedeutet für eine so erfolgreiche 18-jährige unzählige Stunden in den Turnhallen, auf den Straßen mit dem Kleinbus, auf den Flughäfen, … – mit den Trainern, die zu Vertrauenspersonen werden. 13 Jahre bedeutet auch Zeit, die mit der eigenen Familie fehlt, auch wenn die Eltern bei so vielen Wettkämpfen mitreisen konnten. Und was nimmt man nach dieser Zeit mit? So viele tolle Erlebnisse, ob in der Halle oder auf den Wettkampffahrten und mit den verschiedensten Kulturen, z.T. weltweite Freundschaften, Erfolge aber natürlich auch die eigene Entwicklung : Disziplin, Verantwortung, Zeitmanagement, ein hohes Selbstbewusstsein, der Umgang mit so vielen verschiedenen Menschen.

Die Sportakrobatik ist für alle „Ehemaligen“ ein Zuhause, eine 2. Familie. Und diese bleibt, auch für Lena. Nur eben nicht mehr als Sportlerin, vielleicht aber in der Zukunft als Trainerin. Sie wird also bei uns sein und jetzt ihr Abitur am „León-Foucault-Gymnasium“ machen, dem Gymnasium, das sie während der letzten Jahre auch immer im Sportbegabten-Profil begleitet hat. Und bestimmt sehen wir sie bei einer Show auch noch einmal auf dem Wettkampfboden – dann ohne Druck und wieder mit dem stolzen Lächeln im Gesicht, das momentan etwas fehlt und doch so ein Markenzeichen für Lena Bednarz ist.

Einige Erfolge:
mit Lotte Tröster (2015 bis 2017) EM/ WM (WM 7. Platz)/ DM – mehrere Titel
mit Selima Wardin (ab 2018) EM 5. Platz/ DM mehrere Titel
größter Erfolg: Weltcup 2019 – 2. Platz